Donnerstag, 13. September 2012

mit den Flügeln der Phantasie

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich meine Fernbeziehung erlebe.

Nach 31 Jahren Ehe (mit inzwischen 1 Jahr Fernbeziehung) verleiht die Entfernung unserer Beziehung tatsächlich einen neuen Kick. Vor 2 Jahren hätte ich nicht geglaubt, daß ich  eine solche räumliche Trennung leben könnte, aber da mein Mann zum 1.4.2011 seinen Traumjob in Bonn angetreten hat (alle kleinen Buben dieser Generation wollten spätestens ab dem 21.07.1969 wie Neil Armstrong Astronaut werden), haben wir uns diesbezüglich genau beraten lassen. Auch wenn wir nicht zu den "digital-natives" gehören, nutzen wir die modernen Technologien und schreiben uns mehr denn je Mails und schicken uns Alltagsfotos, wir telefonieren mit Begeisterung und freuen uns über jede noch so kleine Nachricht vom anderen. Wir erleben jedes Treffen wie ein Date und planen unsere Wochenenden sorgfältig und versuchen sie von Alltag und Routine frei zu halten.  Ein paar Nachteile haben wir allerdings schon bemerkt : die Treffen mit Freunden und das Zusammensein mit anderen leiden deutlich unter dieser Konzentration auf die eigene Beziehung. Aufgrund einiger anderer Umstände sind unsere Jahresurlaube 2011 und 2012 unter den Tisch gefallen, so machen wir statt dessen das Samstagsfrühstück auf dem Ölberg zum Event und den Gang zum Bäcker durch die Straßen von Bonn-Rüngsdorf zu etwas Besonderem. Über Sebastianos freundschaftliche Begrüßung "ist schon wieder Sonntag?" bei Vitus freue ich mich ebenso wie über die leckeren rheinischen Brioche, die allerdings mein "Hüftgold" weiter vermehren. Schlankmachend ist  die Pendelei nicht gerade - denn auch das gemeinsame Essen läßt sich vortrefflich zelebrieren.
Mit den folgenden Handyfotos vom Rhein, will ich sie an den letzten Wochenenden teilhaben lassen. Der Blick aufs Siebengebirge oder vom Ölberg oder Petersberg auf den Rhein ist selbst bei weniger gutem Wetter ein Urlaubsgenuss:

Sonnenaufgang im September am Rhein
Blick auf Siebengebirge und Rhein

Blick vom Ölberg auf den Rhein und Bonn
Wolken und Vogelzug über Drachenfels
Blick auf Bonn und Posttower
Alpine Felsen am Ölberg
Fotos von Tegernseer, Chiemsee und Voralpenlandschaften folgen demnächst, denn auch hier genießen wir die Andersartigkeit der Landschaft in vollen Zügen. Im Büro meines Mannes hängt deshalb ein großer Kalender mit selbstgemachten Fotos bayrischer Landschaften. Dazwischen planen wir Konzert- (Beethofenfestival in Bonn ebenso wie Abo der MPhil im Gasteig), Kabarett-, Oper- und Ausstellungsbesuche. 

Zuletzt waren wir in der beeindruckenden Ausstellung "Am Anfang" mit Bildern von Anselm Kiefer in der Bonner Bundeskunsthalle. Trotz der Kritik in der Süddeutschen Zeitung an der "skandalösen Hängung" fand ich die Ausstellung gut gemacht, gut gehängt und gut kommentiert. Die Gedichte von Paul Celan und Ingeborg Bachmann lagen aus, die Audioguidetour erklärte die philosophischen, mythologischen, biblischen und kabbalistischen Hintergründe der Gemälde und Skulpturen wie auch "Hermannsschlacht" und "Böhmen liegt am Meer". Die große Jakobsleiter stand zentral mit Blick in den Himmel. Durch die verwendeten Materialien wie Beton/Stein, Blei vom Dach des Kölner Doms, getrockneten Sonnenblumen, Erbsen (in Bleimatten für die "Erbsenzähler der Volkszählung"), Kleidung gepaart mit den Dimensionen und der Wucht der Werke war die Ausstellung mehr als impressiv. Erst hinterher war uns klar, wie anstrengend sie auch war. Ich jedenfalls habe Bachmann und Celan mehr verstanden als in der Schulzeit, das könnte aber auch an meinem Alter liegen. Vertreibung und Holocaust sind selten so intensiv dargestellt worden. Bei "Böhmen liegt am Meer" sieht man die tiefen Furchen, die die Wagen wie Narben in die Brachlandschaft graben, die Flüchtlinge, die Tiefflieger, das Leid auch ohne Darstellung von Menschen. Natürlich höre ich hinter allem die Kriegs- und Nachkriegsschilderungen meiner Mutter. Es war keine Ausstellung, durch die man einfach betrachtend schlendert. Jedes einzelne Bild brauchte Zeit und wäre eines ausführlichen Kommentars würdig. Dies würde aber die Grenzen meines Blogs sprengen.

Bavel Balal Mabul

Wege der Weltweisheit: die Hermannsschlacht

Die Wurzeln der deutschen Geschichte und Kultur liegt nach dieser Darstellung im Krieg, das Bild zeigt die hellen und dunklen Seiten Deutschlands mit Dichterpersönlichkeiten wie Eichendorf und Hölderlin, Philosophen wie Kant und Heidegger,  aber auch Nazigrößen wie Horst Wessel, Preussengeneräle und mehr.



Jaipur
 "Jaipur" - das weltgrößte, historische Observatorium in Indien im Palast der Winde ist wohl der Ausgangspunkt für Kiefers Sternbilder. Auch in diesem Bild findet sich wie bei den Jakobsleitern eine in den Himmel führenden Treppe, die hier in ein Spinnennetz im Universum führt mit genau lokalisierten Punkten von Nasakoordinaten von Sternen und Planeten. Die Ziffern sollen auch an die eintätowierten KZ-Nummern der Häftlinge in Auschwitz erinnern. Alle Bilder lassen uns getreu Th. Adorno Auschwitz nicht vergessen.



Essence - Eksistence
Dieses Bild zeigt eine phantastische, expressive Wolken-Berglandschaft, davor hängt eine Balkenwaage mit Salz in der einen Waagschale - Leben=Existenz versus Wertvorstellungen=Essenz, der Frage aller Menschen, Philosophen und Religionen aller Zeiten schlechthin.

Mittwoch, 5. September 2012



 

Heute darf ich Ihnen eine Gemeinschaftsausstellung Fotografie von Blank, Giebelhausen, Marten und Reiserer im Atelier 5B in Schondorf am Ammersee ans Herz legen - siehe Flyer.
Zur Vernissage am 7.9. um 18 Uhr spielen Titus Waldenfels und Alexandra Fischer Swing, Blues & Bizarre Covers.

Sonntag, 2. September 2012

Grimms-Märchen in Ottobrunn

In der vergangenen Woche (25.8.) fiel ich zufällig über gleichlautende Artikel im Münchner Merkur und einer weiteren Münchner Zeitung über die Beschwerde von Anwohnern einer Pflege-WG in München Ottobrunn. Eine Anwohnerin beschwerte sich unter anderem über die klickenden, lebenserhaltenden Maschinen, sie könne nicht im Garten sitzen und nicht wissen, ob die Menschen da drüben überhaupt noch leben. 
Derartige Wohngemeinschaften ermöglichen eine professionelle Betreuung in einer häuslichen Wohnumgebung. Auch meine Mutter konnte nur dank einer 24 Std.-Pflege in ihrer Wohnung bleiben. Mitbewohner aus dem Haus haben sie regelmässig besucht. Am meisten gefreut hat sie sich aber über den Besuch von jungen Menschen und von Kindern aus unserem Umfeld. Kleine Kinder gehen mit alten Menschen völlig unkompliziert um. Ganz aktuell berichtet der Spiegel über eine solche Institution in Hamburg-Othmarschen - dort werden Kinder und demente Senioren gemeinsam betreut und alle profitieren davon.
Vielleicht sollte man der Dame aus Ottobrunn mal das Märchen der Gebrüder Grimm über den Grossvater und den Enkel vorlesen. Darin wird der alte, zittrige Grossvater hinter den Ofen gesetzt mit einem hölzernen Schüsselchen, damit die Schwiegertochter und sein Sohn ihm beim Essen nicht zusehen müssen. Da schnitzt der Enkel ein Schüssselchen für seine Eltern, "daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich gross bin". "Da sahen Mann und Frau sich an und fingen endlich an zu weinen, holten alsofort den alten Grossvater an den Tisch und liessen ihn von nun an immer mitessen und sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete".
Und die Moral von der Geschicht ... man sollte öfter seine Märchen lesen.

Donnerstag, 30. August 2012

Ärzte oder Onlinetools/DRGs?

Wohin führt uns die Gesundheitspolitik?  Welchen Weg geht die Medizin? Diese Frage beschäftigt nicht nur junge Medizinstudentinnen und Ärztinnen, sondern aufgrund der zahlreichen Skandale auch immer mehr Menschen allgemein. Werden die Ärzte durch schnellgebleichte Medizintechnologen und -manager ersetzt? Berichte wie der Transplantationsskandal und unnötige Knieoperationen füllen die Ferienlöcher der Yellow Press. Qualitätsmanagement ersetzt persönliche Zuwendung in den Krankenhäusern und Praxen. Das Personal beschäftigt sich zunehmend mit dem Ausfüllen von statistischen Daten, Kennzahlen und Dokumentationen um einen globalen Vergleich zu ermöglichen. Anstelle der seit Hippokrates existenten Heilkunst sind wir auf dem Weg zu einer technokratischen Medizinwissenschaft. Quantität und Vergleichbarkeit mit DRG (diagnosis related groups, diagnosebezogene Fallgruppen) ist wichtiger als Qualität und Zuwendung. Wer die höheren OP-Zahlen aufzuweisen hat, ist besser als der, der sich um seine Patienten kümmert. Als Zentrum darf sich nur bezeichnen, wer möglichst viele Zahlen hat. Da sind dann in Göttingen die Zahl der Lebertransplantationen wichtiger als das Wohlergehen der Patienten. Das medizinische Ethos bleibt auf der Strecke. Chefärzte/-innen werden von  Geldgebern und Verwaltungen unter Druck gesetzt, die OP-Zahlen müssen steigen. Patienten mit Schlaganfall dürfen nicht in eine Stroke-Unit verlegt werden, da man sonst auch in Zukunft "den Fall Schlaganfall" nicht  mehr abrechnen kann. Bürokratische Zettelausfüllerei anstelle von Handhalten und Zuhören. Kontrollwut, Leitlinien, gesundheitsökonomisch orientierte Leistungskataloge und DRGs verleugnen eine individuelle Medizin. Eine angeblich evidenzbasierte, zeitsparende Medizin wird von finanzorientierten Gesundheitsmanagern gesteuert. Werden Ärzte eines Tages durch Chats, Apps und Onlinetools überflüssig?
Nein! Es lebe der Arzt, der eine individuelle Heilkunst mit persönlicher Zuwendung, gegenseitiger Achtung und Vertrauen, Zeit für Gespräche und persönlich maßgeschneiderte Therapiewege anbietet. Der Arzt, der den Weg zur Heilung mit seinen Patienten gemeinsam geht und sie auch mal in den Arm nehmen darf und nicht die Seele den Klinikclowns und Psychotherapeuten überlässt! Diese Ärzte gab es immer und wird es immer geben! Lassen wir den Rest doch den Kaufleuten, IT-Fachleuten und Gesundheitsmanagern - aber laßt uns gute und echte Medizin machen!
Wie schon die Weber nicht durch Webstühle, so sind auch Bücher und Zeitungen sind nicht durchs Internet überflüssig geworden, auch Ärzte werden nicht durch PC's ersetzt! Das möchte ich den jungen Ärzten mit auf den Weg geben - wir brauchen auch im vor uns liegenden Jahrhundert vertrauenswürdige Ärzte, die mit uns reden, uns ernst nehmen und Therapieentscheidungen nicht nur nach Statistik und Health Technology Assessments = Technologiefolgenabschätzung in der Medizin treffen. Oder wie einer meiner Lehrer sagte: wir behandeln Menschen und nicht Laborwerte.



Mittwoch, 29. August 2012

Urlaub in der Mittagspause



 ... nach dem Essen sollst Du ruhn oder 1000 Schritte tun...

fast wie Urlaub... erst Essen im Liebighof, dann Spaziergang an der Isar bei herrlichstem Wetter..


..meine Mädels!

Sonntag, 26. August 2012

Märchen in der Wissenschaft

Vor allem in letzter  Zeit verlagert sich die dichterische Phantasie mancher Menschen in die Wissenschaft und so manche fantastische Erzählung flog auf.


Aber Betrug und Irrtum gab es schon immer in der Wissenschaft - nicht erst seit dem Buch "Betrug und Täuschung in der Wissenschaft" von William Broad und Nicholas Wade oder "Betrug und Irrtum" von Douglas J. Keenan. Anfang des 18.Jahrhunderts gab es bereits die Würzburger Lügensteine, gefälschte Fossilien aus Muschelkalk. Im Zeitalter des worldwideweb finden sich unendlich viele Seiten über Plagiatoren, Menschen, die sich mit fremden Federn schmücken, Ghostwriter, Betrüger, Täuscher, Fälscher, Abkupferer und auch eine gewissenhafte Seite bei Wikipedia. 



Die Dreistigkeit einiger Fälscher überrascht dennoch. Man denke an den chinesischen Hanxin Mikrochip, auf dem nur der Logoaufdruck chinesisch war, an die Molekularbiologin Marion Brach, die Daten für Veröffentlichungen über Krebsforschung fälschte, der Verdacht, dass die renommierte Immunologin Bulfone-Paus Bild- und Datenmaterial gefälscht hat, ist nach wie vor nicht aus der Welt. Getrennt aufgewachsene Zwillingspaare über Jahrzehnte einfach zu erfinden, wie der Engländer Cyril Burt es tat, ist wirklich unglaublich. 



Diese Zwillingsliteratur hat mich schon früh interessiert, da ich als kleines Mädchen meinen Eltern kaum ähnlich sah. Familienähnlichkeit faszinierte mich aus diesem Grund bei andern umso mehr. Wie sehr die Erstgeborenen bereits im Kreissaal ihren Vätern ähneln, beeindruckt mich jedes mal wieder. So mancher Vater sagte im Kreissaal: das bin ja ich oder das ist ganz meine Mutter. Ich glaube, das ist ein Trick der Natur, um die Vater-Kind-Bindung zu verstärken,  denn die Ähnlichkeit bleibt ja nicht unbedingt.

In meiner Studiengeneration gab es - wahrscheinlich als Reaktion auf das Dritte Reich mit seiner Überbewertung von Rasse und Gen - eine Überbetonung von Umwelt und Erziehung.  Nicht nur das Aussehen, nein, auch manche Verhaltensweise und Begabung vererbt sich aber überdurchschnittlich auffällig. Aufgrund von Erzählungen in der Praxis und eigenen Erlebnissen habe ich den Eindruck, dass ganz unterschiedliche Eigenschaften wie "Zungenrollen", aber auch die Liebe zum Knuddeln und In-den-Arm-nehmen in Familien vererbt und keinesfalls erst anerzogen werden. 
Falls sie es nun wissen wollen - ich habe übrigens die Nase meiner polnischen Urgroßmutter mütterlicherseits und die Augen aus der Familie meines Vaters, ebenso das "Lerchen-Gen"= das Frühaufsteher-Gen= Per 3-Gen,  um mein "Genie" streiten sich die beiden Familien ;-). 
Ich versuchte schon früh, möglichst viel von meiner Mutter über ihre Familie zu erfahren. Aufgrund von  Kriegswirren und der Scheidung meiner Großeltern gab es von der Seite meiner Mutter kaum Fotos oder Unterlagen. Der Großvater väterlicherseits hat eine kurze Familienchronik mit vereinzelten Bildern verfaßt. Jetzt wissen Sie, warum mich die zahllosen Fotos aus der Familie meines Mannes besonders begeistern. Mein Mann hat eine Tante, die auch heute noch  (bei Damen redet man nicht übers Alter) sehr fit und reiselustig ist und sich unglaublich genau und detailgetreu an Namen und Ereignisse erinnert. Ein Segen für jede Familienchronik trotz der "weißen Handschuhe". Mein Mann und ich haben vor ein paar Jahren ein kleines Buch über die Familie Gruppe zusammengestellt. Das bereitete uns viel Freude. Es half auch, manche Trauer aufzuarbeiten. Jetzt freuen sich besonders auch die jungen Familienmitglieder an ihren Vorfahren. Besonders die Mädchen finden die gutaussehenden Männer toll (..den hätte ich auch genommen...), mir gefallen die schön gekleideten Kinder und Frauen:



auf den Fotos: die Großmutter meines Mannes Franziska Helene Gertrud Anders geb. 1884

Familienalben der Familie meines Mannes
und bayrischer Trachtenschmuck


Aha, jetzt sind sie also neugierig auf weitere Fotos.

Da wir ja vor allem mit Frauen zu tun haben, hier meine Nördlinger Großmutter Pauline Philippine Dinger geboren 1903 (am Namen merkt man - der Wunsch nach einem Sohn ist der Vater vieler Töchter) und ihre vier Schwestern.
"die Dingersmädle"
Übrigens meine Großmutter ist die zweite von rechts.

Samstag, 25. August 2012


Unbedingt sehenswert und ein wunderbares Vorhaben für ein verregnetes Wochenende ist der Film "Bavaria - Traumreise durch Bayern" von Joseph Vilsmaier! In München in einigen sehr schönen Kinos zu erleben. Wir waren gerade zum ersten Mal in der Astor Cinema Lounge im Bayrischen Hof - für eine Wochenendfernbeziehung perfekt!



Beim Europäischen Tag der Jüdischen Kultur, am Sonntag, den 2. September 2012, ganztägig am St. Jakobs-Platz 18 geht es um "Jüdischen Humor" - "The Spirit of Jewish Humor". Dabei gibt es um 10:30h und um 14:30h einen Stadtrundgang "Auf jüdischen Spuren" - Voranmeldung bis 31.08. unter karten@ikg-m.de unbedingt erforderlich. Um 16.45h die Karikaturenausstellung "KOHNVERSATION". Um 18:00h "Die Frau von Pollak oder Wie mein Vater jüdische Witze erzählte" - eine Lesung mit Miguel Herz-Kestranek über Schlemihlen, Schnorrern, Weise und Wunderrabbis ganz im Sinne Friedrich Torbergs. Weitere Informationen im Internet unter www.ikg-m.de

Jetzt erscheinen Ankündigungen immer in diesem Pink!

Donnerstag, 23. August 2012

Scheherazade

Mein Blog über das Erinnern und die retrospektive Veränderung des eigenen Lebenslaufes / der Biographie scheint nicht nur meine Patientinnen zu interessieren. 

Heute wollt Ihr also vom weitgereisten Großvater Gruppe hören. Hier die immer wieder berichtete Geschichte von der wahrhaften und wirklichen Weltreise des Traugott Gruppe geboren 09.11.1882:



Großvater Gruppe als Märchenerzähler am Strand von Dame

.. und es war einer.. und es war keiner.. und außer Gott gab es niemand...
so beginnen die Märchen im Orient.

Bei uns heißt es .. es war einmal.. am Strand von Dame und Großvater Gruppe erzählte von seiner Reise in den Harz. 

Wegen meiner Lungenerkrankung empfahl mir der Arzt, ich solle mich doch zur Kur in den Harz begeben, dort schickte man mich gen Süden nach Davos. Ich fuhr einen Tag und eine Nacht, denn damals fuhr man noch mit dem Zug. Doch der Arzt in Davos riet mir wegen des schlechten Wetters noch weiter nach Süden zu ziehen. Ich fuhr einen Tag und eine Nacht und da ich dieser fremden Sprache nicht mächtig war, ging ich von Abteil zu Abteil und fragte nach jemanden, der Deutsch spräche und mir die Speisekarte übersetzen könne und mir beim Essen Gesellschaft leisten würde. Ein freundlicher, gut aussehender Herr erbot sich, mir behilflich zu sein und so gelangten wir plaudernd in den südlichen Teil von Italien vorbei an Zitronen und Wein und rauen Bergen und lieblichen Küsten. Nach Tagen und Nächten gelangte ich an die südliche Spitze des Stiefels. Dem schwarzen Kontinent so nah, beschloss ich doch überzusetzen und gelangte nach Nordafrika. Dort wollte ich von Oase zu Oase ziehen, doch bereits nach wenigen Stationen behandelte man mich schlecht und irgendwann wies man mir, dem Ungläubigen, ein Nachtquartier bei den Kamelen an und trotz heftigen Protests schleppten mich die Männer davon. Ich wehrte mich heftig und konnte mich losreissen und fand mich vor einer großen, doppelflügeligen Tür wieder. Obwohl alle versuchten mich davon abzuhalten, diese zu öffnen, gelang es mir doch. Ich gelangte in einen riesigen Raum, in dem ringsum große  Kissen an den Wänden auf dem Boden lagen, darauf saßen weiß gekleidete vornehme Herren. Vor Kopf saß offensichtlich der Anführer. Zu meiner Verblüffung erhob er sich freudig mit den Worten "dieses ist mein Freund Gruppe". Es war mein wirklich liebenswerter Begleiter aus dem Zug in Italien. Jetzt hatte ich ausgesorgt. Ich wurde mit großem Geleit und wahrhaft orientalischer Gastfreundschaft von Oase zu Oase, von Karawanserei zu Karawanserei begleitet.

Wenn es nicht war ist, so ist es doch gut erfunden.

Die Erzählkunst von Scheherazade mit Ihrer Begabung, eine unendliche Geschichte mit vielen Fortsetzungen und täglich steigender Spannung zu erzählen, fesselt nicht nur Kinder.  Die wunderbaren russischen Märchen mit ihren Baba Jagas, die chassidischen Geschichten und die Märchen der Gebrüder Grimm habe ich als Kind regelrecht verschlungen. 
Lange lies sich mein Bruder von mir mit dem Ausruf "Barbara Geschichte" abends fantastisches Erfundenes erzählen. Die Hauptfigur war ein kleines Mädchen namens Gerti, die aus einem Loch in der Wand neben meinem Bett kletterte. Mein Mann berichtet Gleiches, auch er erzählte seinem Bruder lange Zeit phantasievolle Geschichten von einer erfundenen Familie mit dem Namen Neumann und ganz vielen Kindern. So schließt sich der Kreis - wir hatten als Kinder also nicht nur die gleiche "Kotze"= Lodenumhang. Wir lesen beide heute noch leidenschaftlich gerne die Geschichten von Rafik Schami. An einem Weihnachtsabend lauschten meine Mutter und ich mit großer Begeisterung meinem Mann, wie er die Geschichte über "die Katze, die eigene Wege geht und der alle Orte gleich sind" von Rudyard Kipling nacherzählte (nicht vorlas!). 
Aber heute ist es spät und das Feuer ist heruntergebrannt, so werden wir uns ein andermal wieder treffen und von neuem der Erinnerung lauschen....

Sonntag, 19. August 2012

"WEISSE HANDSCHUHE"

"WEISSE HANDSCHUHE - wie das Gedächtnis Lebensgeschichten schreibt" bzw. "white gloves. how we create ourselves through memory"- dieses Buch von John Kotre ist gerade wieder in meine Hände gelangt. 
Vor etwa einem dutzend Jahren wurde dieses Buch bzw. sein Titel in unserer Familie immer wieder zitiert. Der Autor beschreibt anhand von den weissen Handschuhen seines Grossvaters, an die er sich erinnert - obwohl er sie nie gesehen hat - wie unser autobiographisches Gedächtnis unsere Erinnerung fortlaufend umschreibt und den Gegebenheiten anpasst. Er beschreibt wie die Fakten der Biografie von uns fast dichterisch umgeschrieben werden. 
Meine Mutter erinnerte sich an eine rote Polsterbank im Hause ihrer Grosseltern, die es jedoch nach Aussage ihrer noch lebenden Angehörigen nie gab. 
Gerade anhand meines Blogs über vergessene Speisen und Gerüche kam bei uns dieses Thema der Erinnerung an die Kindheit wieder auf. Vieles ist heute einfacher, da wir uns anhand von Fotografien oder gar Filmen leichter besinnen. Es ist auch sehr spannend wie unterschiedlich Geschwister / Eltern sich an die gleiche Begebenheit erinnern. Chronologisch ist manches auch verschoben. Ich bin oft unsicher, wie vieles ich nur aus Erzählungen meiner Mutter weiss und an wie wenig ich mich selbst erinnere. Kalkfahnen der Strassen auf der schwäbischen Alb, wenn ein Auto kam? Eisblumen am Fenster? Das frischgebackene Brot von "Oma Miedelein" (einer alten Frau, die für das Dorf im Ofen Brot backte), das ich noch warm im Arm nach Hause trug und von dessen verlockender Kruste ich mir kleine Kanten herausbrach? Meine Erinnerung beginnt so richtig erst mit 6 oder 7 Jahren, davor gibt es nur Erinnerungsfetzen oder -streiflichter. Bei meinem Mann reicht die Erinnerung viel weiter zurück. Sein Vater ist gestorben als er noch klein war und trotzdem erinnert er sich sehr deutlich an manche Begebenheit. Vielleicht war ich deshalb auch so fasziniert von den unglaublich vielen Fotos, die es in der Familie meines Mannes gibt. In dieser Familie ist die Erzähl- und auch die Erinnertradition viel ausgeprägter als in meiner Familie. Man könnte es fast als ein narratives Gen beschreiben. Bereits in den Anfangsjahren unserer Ehe berichteten die Verwandten mir von den erfundenen und tatsächlichen Weltreisen des Großvaters in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts.
Zum Schluss noch zwei Fotos aus der Kindheit von meinem Mann und mir - vor der Unisexkleidung?

ein Foto von mir
mit Riesenkopf und handgestrickter Mütze
mein Mann als Kind
Und für alle, die Spaß an schönen alten Fotos haben, ein paar echt Münchner Fotos aus der mütterlichen Sippe meines Mannes:

Links Urgroßvater, rechts Großvater,
der aufgrund seiner Größe
vor der Münchner Residenz Wache stand
kitschig schön: Großtante Resi
der stattliche Urgroßvater,
Leiter des Münchner
Telegrafenamts



die Großmutter als Rotkreuzschwester in der Taxisstraße

Wie man an dem folgendem Reisepass von 1927 von Großvater Gruppe und seiner Frau sehen kann, gab es Zeiten, in denen die Ehefrau beim Mann mit im Pass stand - so wie heute Kleinkinder.





Zum Vergrößern kann man die Fotos einfach anklicken!

Mittwoch, 15. August 2012

Isarspaziergang

Auch wenn derzeit immer öfter die medizinpolitische Entwicklung mein Denken beherrscht mit Themen wie DRG = diagnosis related groups, also medizinökonomische Fallpauschalen, und vielem mehr, nehme ich sie jetzt auf einen kleinen sommerlichen Isarspaziergang rund um die Praxis mit fotografischen Impressionen mit:







Müllersches Volksbad








Frauendreissiger und Zwetschgenbavesen


15.August - heute möchte ich über der "Frauendreissiger" und ein paar damit verbundenen Sitten und  Bräuche berichten. In Lena Christs "Rumpelhanni"  (wurde in meiner Schulzeit in der Schule gelesen) kann man mehr darüber lesen. Ehrlicherweise hat mich der Name "Frauendreissiger" und mein Wohnsitz Ramersdorf zu diesem Blog motiviert. Weniger die Marienverehrung als vielmehr die vorchristliche Sitte der Kräuterweihe und natürlich die Frauen sind der Anlass meines Berichts.Heute wurde in Maria Ramersdorf der Frauendreissiger mit feierlicher Segnung der Kräuterbüschel eröffnet. 
Im Anschluss an den Gottesdienst kann man die traditionellen Zwetschgenbavesen in der Konditorei gegenüber der Kirche essen. Da sind wir schon wieder bei den altmodischen Speisen meines letzten Eintrags. Bavesen sind seit dem römischen Reich bekannt und sind wohl als "zuppa pavese" (damals salzig) aus Italien in den Norden gekommen. Im ältesten deutschen Rezeptbuch wurde diese auch "Armer Ritter" genannte Speise bereits um 1400 erwähnt. Es gibt da ganz unterschiedliche Rezepte, allen gemeinsam sind die in Milch getauchten Weissbrotscheiben, die in Fett herausgebacken werden. Früher wurden die Bavesen zu Lichtmess für Knechte und Mägde gebacken, sozusagen als süsse Bestechung doch zu bleiben, erst später wurden sie bei uns zu einem Sommergebäck. Wie man bei Wikipedia sehen kann, gibt es sie weltweit - in Portugal isst man die  rabanadas zu Weihnachten, in Spanien die torrijas zur Fastenzeit, in England heissen sie "poor knights of windsor", in den USA french toast, in der Türkei ekmek kizartmasi. 


Meine Internetrecherche hat ergeben, dass die Wallfahrt 1644 von Münchener Bürgerfrauen auf folgender Strecke errichtet wurde: Alter Peter - Tal - Isarquerung - weiter die heutige Rosenheimerstrasse - bis Maria Ramersdorf - mit 16 Bildern aus der Lebensgeschichte Mariens. 1683 stifteten  sieben Münchner "Loderer", das sind Tuchmacher, ein Votivbild für diese 30-tägige Marienverehrung von Maria Himmelfahrt am 15.8. bis zum Fest der Kreuzerhöhung 14.9.
Der Ursprung ist eher vorchristlich und fusst auf der Erfahrung, dass um diese Zeit die Kräuter besonders würzig und heilkräftig sind. Die Kräuterbuschel enthalten meist eine "magische Zahl" von Kräutern - also 5 - 7 - 9 etc. Die Sträusse werden in der Kirche geweiht, getrocknet und dann aufgehängt im Herrgottswinkel, über Türen oder unterm Dach von Haus oder Scheune. Sie sollen den Menschen Gesundheit und ein gutes Jahr bringen.
In diesem Sinne auch Ihnen ein gesundes und glückliches Jahr!

Sonntag, 5. August 2012

Auch wenn ich durch die Musik meiner Kindheit sehr geprägt bin, entdecke ich doch immer wieder Neues.
Kürzlich haben wir in Bonn Schüler des Aloisius Kollegs mit der Overtüre mit hebräischen Themen von Prokofiev gehört. Die 14-jährige Klarinettistin Sophia Simeonov und der Pianist waren unglaublich gut. Ich habe das Stück gleich unter meine derzeitigen Top Ten eingereiht. Ebenfalls "neu" sind zwei weitere Stücke: das Violinkonzert von Philip Glass und das Klavierkonzert A-Moll von Grieg. Daneben habe ich viel Spaß an den sprachlich und rhythmisch schönen Texten von Tim Bendzko in "wenn Worte meine Sprache wären" oder "nur noch kurz die Welt retten". Bei Ina Müller liebe ich die Kombi aus Song und frechem Text in "Smalltalk", "Maxi Cosi" oder "Orangenhaut". Seit meinem ersten Besuch bei einer Night of the Proms bin ich auch ein Fan von Rosette  mit "Joyride"und Alan Parsons "Silence and I" und "Eye in the sky".

Vergessene Gerichte der Kindheit

Was wäre ein Frauentreffen ohne einmal über Kochen und Esskultur zu sprechen?


Ich will hier keinesfalls ein Klischee verbreiten, gerade unter den Ärztekollegen in meinem Umfeld gibt es einige unglaublich gut kochende Männer! Mein eigener Ehemann rühmt sich allerdings immerhin Spiegelei und Darjeeling zu kochen. Dafür isst er mit grosser Begeisterung alles von mir Gekochte.
Verblüffend ist, dass auch die Küche einer Mode und wechselndem Geschmack unterworfen ist, nicht nur landsmannschaftlichen Unterschieden. Kürzlich habe ich mich in "Magenschonkost" geübt und mich dabei alter Rezepte wie Hühnerfrikassee, eingelegtes Kalbfleisch und Königsberger Klops erinnert. Nicht nur ich liebe Kapern in weißer Sosse. Bei uns daheim gab es das mit breiten Nudeln, in der Familie meines Mannes mit Reis, zu Einladungen als Königinnenpastete. 
Es macht richtig Spass, sich so an die Gerüche und den Geschmack der Kindheit zu erinnern. Erinnern Sie sich noch an typische Essen aus ihrer Kindheit, die es heute kaum noch gibt? 
Meine schwäbische Großmutter hat wunderbare Maultaschen gekocht - in der Brüh, mit g'schmelzte Zwiebel und am nächsten Tag mit Ei in der Pfanne wieder aufgebacken. Das gibt's auch heute noch. Aber ihre "Krautsfülle", ein Auflauf aus Weißkraut und im Fleischwolf durchgedrehtem gekochtem Fleisch mit viel Majoran/Beifuss und manchmal Kartoffelscheiben dazwischen, habe ich nie wieder gegessen. Ebenso gab es nirgendwo ihre süßen oder salzigen "Bauchstecherle" oder "Buabaspitzle", die nicht wie im Internet zum Teil beschrieben Schupfnudeln waren! Den "Gaisburger Marsch" habe ich allerdings nie gemocht! Meine andere Großmutter machte unter anderem ein köstliches Weinchaudeau, das wahrscheinlich wegen seiner Üppigkeit von der Dessertliste gestrichen wurde.
So vieles - Fürst Pückler-Eis, Charlotte Russe, Ofenschlupfer, Armer Ritter, Käseigel, Waldorfsalat, Würstchen im Schlafrock, Kalte Ente und Kalter Hund (gab es bei uns nie) und manches mehr - ist heute von der Speisekarte fast völlig verschwunden.
In den Sommerferien fuhren wir an heißen Sommertagen mit unserem Großvater ins Freibad auf die Nördlinger Marienhöh' und dazu wurde Kartoffelsalat ein Weckglas gepackt - mit "Saitenwürstchen" oder Schnitzelchen. Da läuft mir heute noch das Wasser im Mund zusammen.
Solche Erinnerungstouren mit Geschmack und Duft sind wirklich lustig. In der Erinnerung kommen dann Essen bei der Verwandtschaft, in Ferienorten mit dampfenden Krabben aus der Tüte vom Kutter in Sylt oder Klassenfahrten mit völlig fremdem, gewöhnungsbedürftigem Essen wie süßer Graupensuppe oder Lapskaus und vieles mehr auf.


Man könnte die Erinnerungstour mit Tönen und Musik fortführen - Sonntagmorgens war geprägt von der Lieblingsmusik meines Vaters, laut ertönten Händels Alexanderfest oder Tochter Zion aus Judas Maccabäus durch alle Räume - natürlich vom Tonband, das es heute auch nicht mehr gibt -  abends Dvoráks "Aus der Neuen Welt".
Die Erinnerungen bringen mich noch beim Schreiben zum Schmunzeln. Vielleicht geht es ihnen, liebe Leserin ja auch so.

Sonntag, 29. Juli 2012


Noch bist du da (1977)


Wirf deine Angst 
in die Luft

Bald 
ist deine Zeit um 
bald wächst der Himmel 
unter dem Gras 
fallen deine Träume
ins  Nirgends

Noch 
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken 
noch bist du da 

Sei was du bist
gib was du hast


Rose Ausländer (1901 - 1988)

Dieses Gedicht hat mir meine Freundin Susanne gesandt. Was wir alle gemeinsam haben, ist die Freude an schönen Worten, augenzwinkerndem Humor, feiner Ironie und verbalem Tiefsinn. Das finden wir bei J. Ringelnatz, Chr. Morgenstern, M. Kaléko, R. Gernhardt, A. Lichtenstein, aber auch in den Aphorismen von G.Chr. Lichtenberg. Schon meine Eltern haben laufend "den Zaun mit Zwischenraum hindurchzuschauen", "das Reh aus Gips" und "die drei Spatzen", die "Schildschildkröte" oder "Fisches Nachtgesang" zitiert. Nachdem wir uns erstmals gesehen hatten, lud mein Mann mich zu Gerd Fröbes Rezitation von Christian Morgenstern in die Lach- und Schießgesellschaft ein. Diese gemeinsame Begeisterung ist geblieben. An einer unserer Vorhangschienen hängt aber auch das Gedicht von Schnitters: "Meine süße Puppe, mir ist alles schnuppe, wenn ich meine Schnauze auf die deine bautze"
Kerze von G.Richter 
Zu meiner Studienzeit gab es mal eine größere Studie in der die Heilungsverläufe bei 3 Gruppen verglichen wurden: 1. Heilung bei Patienten, die nur operiert wurden, die 2. Gruppe wurde operiert und es wurde für sie gebetet und die 3. Gruppe wurde operiert und sie wusste, dass für Sie gebetet wurde. Am besten verlief die Operation bei Gruppe 3, am zweitbesten bei Gruppe 2 und Schlusslicht war Gruppe 1. In meiner Familie wurde das immer so gehalten, auch für Patientinnen zünden wir meist eine Kerze an. Vielen Dank jedenfalls an alle fürs Mitdenken. Der Patient ist auf dem besten Wege der Genesung! Danke auch an die Ärzte und Schwestern der Intensivstation und Wache in Neuperlach!
Passend dazu meine aktuelle Lektüre: Masche Kaléko "Verse für Zeitgenossen" z.B. "Memento" und Robert Gernhardt "Lichte Gedichte"  z.B. "Im Kreis kreisen","ja damals".

Samstag, 28. Juli 2012

Galileo von Peter Vögele

Kürzlich hatte ich auf eine Ausstellung in Murnau hingewiesen. 
Hier ein Foto einer Edelstahlfigur von Peter Vögele.
Diese über 2 Meter hohe Skulptur heißt  "Galileo"symbolisiert offene Freundes- und Lebenskreise und die Kreise nehmen auch Bezug auf das europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Also Leben - Freundschaft - Raumfahrt - alles umfassend. Außerdem angedeutet wie die Kugel einer Armillarsphäre und das wiederum erinnert an den italienischen Philosophen, Mathematiker, Astronomen und Physiker Galileo Galilei.
Die Befragung von über 10.000 Ärzten für den Ärztemonitor 2012 ergab, dass sich fast zwei Drittel aller Ärzte mehr Zeit für Ihre Patienten wünschen. Wenn man bedenkt, wie viel Ärzte Ihre Arbeit für nützlich und sinnvoll halten (98%) und wie viele mit Ihrer Arbeit zufrieden sind (91%), ist das wirklich schade. Zumal auch die Patienten sich mehr Zuwendung und Zeit von ihren Ärzten wünschen.
Dank der Überzeugungsarbeit durch meine Freunde und meinen Mann habe ich 2011 den Mut für eine neue Praxis gefasst und freue mich nun jeden Tag daran, meinen Patientinnen ausreichend Zeit widmen zu können und mit viel Freude in meine Praxis zu gehen. Damit gehöre ich zu den 16% der Ärzte, die diesen Luxus für sich empfinden.

Sonntag, 22. Juli 2012


Sophie Calle und ihr Werk "Prenez soin de vous" /"Passen Sie auf sich auf" beschäftigt mich immer wieder. Die Konzeptkünstlerin Sophie Calle ist 1953 in Paris geboren. Auf der Biennale 2007/2008  "think with the senses - feel with the mind" bin ich im französischen Pavillon ihrer Ausstellung " take care of yourself" begegnet. 
Davor hatte ich von der filmisch-fotografischen Dokumentation, die sie über den Tod ihrer Mutter und die letzten Lebensminuten gemacht hat gehört. Diese eigenartige intime Nähe des Todes vor Fremden darzustellen hat mich damals äusserst irritiert. Die filmische Darstellung des Todes als Kunst tangiert nicht nur ethische Grenzen.
Auch die Idee den Abschiedsbrief eines Lebensgefährten, den man nicht beantworten kann, 107 Frauen /Freundinnen/Kolleginnen vorzulegen, mit der Bitte um Interpretation, erscheint auf Anhieb befremdlich.
 "I received an email telling me it was over. I did't know how to respond. It was almost as if it hadn't been meant for me. It ended with the words "Take care of yourself". And so I did. I asked 107 women, chosen for their Profession or skills to interpret this letter. To analyze its, comment on it, dance it, sing it. Exhaust it. Understand it for me. Answer for me. It was a way of taking the time to break up. A way of taking care of myself.,"
Trotzdem hat das Kunstwerk mich nachhaltig beeindruckt. Auf zahllosen Monitoren besingen Sängerinnen das Abschiedsmail eines Mannes an Sophie Calle, tanzen Tänzerinnen, rezitieren Schauspielerinnen, analysieren Psychologinnen, korrigieren Lehrerinnen und verwandeln Wissenschaftlerinnen ihn in Formeln - ein vielstimmiger Trauergesang und Abschiedslied.
In den letzten Monaten habe ich viele Briefe mit lieben, verständnisvollen und anteilnehmende Worten und Zitaten von Patientinnen erhalten. Es hat mich sehr berührt, wie tief  manche Patientinnen mich verstanden ohne überhaupt Details zu kennen. Es ist wirklich erstaunlich von welchen unerwarteten Seiten oft unglaubliche Empathie kommt. 
Zeremonien helfen jedenfalls sicher bei der Bewältigung von Trauer, Abschied und Krankheit. Sie geben uns ein Gerüst und Stabilität. Trotzdem werde ich nicht aus den Briefen eine Collage à la Sophie Calle machen. Ich möchte mich einfach nur bedanken!

Donnerstag, 19. Juli 2012

Über zwei langjährige Rosenheimer Patientinnen darf ich alle Interessierten über ein spannendes Vorhaben der "Busenfreundinnen" informieren:


Busenfreundin gesucht!
Für unser Drachenboot-Team „Busenfreundin“ suchen wir
Mitstreiterinnen die gerne an der frischen Luft und auf dem
Wasser sind. Wir paddeln gegen den Brustkrebs!
Im Sommer 2012 wollen wir wöchentlich auf dem Simssee
trainieren um fit zu sein für das Rosenheimer
Drachenbootrennen am 22.September.
Bitte meldet Euch bei Andrea unter ah1707@gmx.de oder
08031 2472336. Jeder kann beim Training mitmachen so oft er
kann oder will.
Und das Paddeln gut für Euch ist muss hier hoffentlich nicht
erklärt werden.
Ausdauersport, frische Luft, Sonnenstrahlen, Spaß im Team.
Wir freuen uns auf jede weitere Teilnehmerin!
Trau Dich – auch wenn Du es noch nie ausprobiert hast.

Dienstag, 17. Juli 2012

Heute hat mir eine liebe Patientin, die Gedichte von Mascha Kaléko empfohlen. Sie sind ganz wunderbar. Leider kann ich aus rechtlichen Gründen die schönsten hier nicht einfach an Sie weitergeben. 
Also schauen Sie am besten selbst, z.B. unter www.maschakaleko.com.

Freitag, 13. Juli 2012

Falls Sie ihr Weg mal nach Murnau führt - Staffelsee, Moos, Münterhaus und vieles mehr sind immer einen Ausflug wert. Zur Zeit auch:

FORM UND FARBE
Neue Arbeiten von dem von mir sehr geschätzten  Peter Vögele und Tanja Schönberg sind in einer Ausstellung in der Galerie am Gabriele-Münter-Platz des Murnauer Kunstvereins "Die Tür" e.V. vom 28.Juli bis 18.August 2012 zu sehen. Die Vernissage ist am Freitag, den 27.7. um 19 Uhr. Die einführenden Worte spricht Dr.phil. Rita de Muynck.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Liebe Patientinnen,
wir müssen heute mal unserem Unmut über die Softwareprobleme bei Praxissystemen Luft machen. Da es immer wieder Probleme mit der online-Terminvereinbarung gibt und gab, hatten wir das System über Wochen abgeschaltet. Seit kurzem können Sie bei uns wieder Termine online vereinbaren, dennoch erhalten Sie dabei unter Umständen mehrfach Mails mit Bestätigungen oder Absagen. Falls es Sie verunsichert, schicken Sie uns ein Mail unter info@frauenaerztin-gruppe.de mit Ihrer Telefonnummer - wir rufen Sie zurück.
In der Werbung wird versprochen: 
"Durch einfaches Anmelden auf Ihrer Internetseite können Ihre Patienten selbstständig Termine buchen, Wiederholungsrezepte oder Befunde anfordern und die Online-Sprechstunde nutzen und das an 24 Stunden an 7 Tagen. Durch die gewohnt komfortable und nahtlose Integration in ihr System wird Ihr Praxisteam optimal organisiert und verwaltungstechnisch in der Anmeldung entlastet. "   
Doch davon kann leider keine Rede sein. Man kann online Flüge, Reisen und Autos buchen. Man kann online einchecken u.s.w. Man kann sich darauf verlassen, dass der Platz im Flugzeug oder im Theater nicht zweimal vergeben wird. Aber Online-Terminvereinbarungen bedürfen immer noch unglaublich vieler Handarbeit und entlasten uns bisher nicht. Bitte seien Sie also nicht irritiert, sondern helfen Sie uns durch Rückmeldung dieses System zu verbessern. Danke! Für die entstandenen Unannehmlichkeiten möchten wir uns entschuldigen.
Ihre Christina Strobl, Ulrike Bach und Barbara Gruppe

Montag, 9. Juli 2012

Über Frau Ulke darf ich für Interessierte und Kunstbegeisterte eine Einladung in das Genossenschaftsmodell für Atelierräume und Werkstätten fürs kommende Wochenende übermitteln:


Einladung zur Streitfeld Taufe und Kunstauktion

Freitag 13. Juli 2012 von 14 bis 19 Uhr

Streitfeldstraße 33
81673 München

14 Uhr Taufe - 15 Uhr/16 Uhr Hausführung - 17 Uhr Kunstauktion

KunstWohnWerke München eG · www.kunstwohnwerke.de
Genius Loci e.V. gemeinnütziger Verein für Kunst und Kultur · www.geniusloci-ev.de


Mittwoch, 4. Juli 2012

Heute nur einen kleinen Tip:

Seit mein Mann Gerd und ich eine Fernbeziehung führen, erleben wir unsere Beziehung viel intensiver. Wir genießen dabei München und Bayern bzw. Bonn und das Rheinland bewußt und sehen sozusagen mit den Augen der Seele. Wir fotografieren Wolkenbilder bei Wanderungen im Berchtesgadener Land und machen Kutschfahrten im Murnauer Moos oder erleben die Sonnenaufgänge am Rhein oder machen Schifffahrten zum Brunch auf dem Rhein (besonderen Dank an das Team von meinem Mann!) Wir nehmen unsere Stadt mit anderen Augen wahr z.B. bei einer Führung mit meiner Freundin Susanne bei Stattreisen siehe unter www.stattreisen-muenchen.de. Vielleicht haben auch Sie Lust auf eine Viktualien-verführ-tour oder Gern durch Gern oder einen anderen spannenden Rundgang. Man entdeckt in München ganz unbekannte Ecken und hat neue Themen und Gespräche. So etwas ist auch ideal für Familienfeste.

Man kann aber auch den Themengeschichtspfaden der Landeshauptstadt München folgen. Eine Patientin hat mich darauf aufmerksam gemacht und mir gleich das grüne Büchlein zur Geschichte der Frauenbewegung mitgebracht, weil es gar so gut zu meiner Praxis paßt. Das Kulturreferat der Landeshauptstadt bringt diese kleinen, wunderbar handlichen Büchlein oder Hörfassungen ( unter www.muenchen.de/rathaus/rathaus/Stadtverwaltung/Kulturreferat/Stadtgeschichte/ThemenGeschichtsPfade downzuloaden) zur Geschichte der Frauenbewegung, zum Nationalsozialismus in München (auch in Englisch), zu Orten des Erinnerns und Gedenkens, zur Geschichte der Schwulen und Lesben in München heraus. Sie können aber auch zu den einzelnen Stadtvierteln "KulturgeschichtsPfade" erhalten.